Category Archives: Neue Wirtschaft / alternative economy

Kooperation als Thema am 1.Schweizer Wirtschaftsgipfel

Am Samstag 17. September 2016 findet in Aarau der 1. öffentliche Schweizer Wirtschaftsgipfel statt. Unter diesem grossen Titel werden Lösungsvorschläge von kreativen Organisationen präsentiert und diskutiert, die in den Medien leider nur selten aufgenommen werden:

  • Demokratie im Geldwesen
  • Kooperation und Sinn
  • Faire Preise und Löhne
  • Regionale Kreativität und Produktion
  • Aufhebung der Arbeitslosigkeit

Der Tagungspreis ist mit nur Fr. 20.- äusserst besucherfreundlich. Eine Anmeldung ist erforderlich. Weitere Informationen unter w1.lovb.ch

Flyer Wirtschaftsgipfel

Konsum neu gedacht: Veranstaltung im “jenseits”

Der Veranstaltungsraum jenseits IM VIADUKT ist ein offener Veranstaltungs- und Verweilens-Ort, den die katholische Kirche für junge Erwachsene zur Verfügung stellt. Es werden Ideen verwirklicht, Spuren verfolgt, Impulse gegeben, eigenes Engagement gefördert und innovative Aktivitäten unterstützt.Ein besonderes Highlight sind die Veranstaltungen zu Nachhaltigkeit, die sich aus einem ehemaligen Rapair-Café zu einem regelmässigen Talent-Café weiterentwickelt haben:

Am Samstag 4. Juni 2016, 14:00 Uhr findet das Talent Café Konsum neu gedacht statt. Das  Programm beinhaltet auch einen Vortrag unseres Geschäftsführers Jens Martignoni und weitere spannende Beiträge:

14:00 – 15:00     Eröffnungsvortrag “Finanzkrisen -> Immobilienblasen -> Lohnschere -> Burn-out” von Jens Martignoni

15:00 – 16:00     Workshop “Misch  dich ein” von “das Lamm”

15:00 – 18:00     Alternativer Konsum: Tauschen am Fluss, obugoo, 5im5i

16:00 – 17:15     Talkrunde zum Minimalismus mit Alain Frei

Ausserdem: Ausstellung und Diskussion mit Vegane Gesellschaft Schweiz zu Ökologie und Ernährung und nachhaltige Leckereien von Ayla Zacek.

Link zur Veranstaltung

 

Jeder kann die Zukunft mitgestalten…

Buchrezension

Uwe Burka: Eine zukunftsfähige Geld- und Wirtschaftsordnung für Mensch und Natur

Die Wirtschaftssituation unserer Welt wird immer kritischer. Besonders auch in Südeuropa ist in den letzten Jahren durch die unverantwortlichen und unglaublich dreisten Raubzüge auf die Volksvermögen unter dem täuschenden Titel „Eurorettung“ viel verderbliches geschehen. Die Krisenfront rückt also näher und es wird immer drängender dass wir aufwachen und etwas tun. Hier setzt Uwe Burka mit seinem Buch an und er hat nicht nur eine gut lesbare und kritische Analyse der Gegenwartsproblematik zu bieten, sondern vor allem eine Fülle von spannenden und praxisnahen Ideen, wie wir wieder zur Vernunft im Wirtschaften kommen können.

Warum brauchen wir eine zukunftsfähige Geld- und Wirtschaftsordnung? Mit dieser einfachen Frage am Anfang des Buches überholen wir bereits locker die meisten Experten und alle Wirtschaftsführern und Politiker, die sich bis heute nicht damit befassen wollen, obwohl die Probleme sich türmen. Uwe Burka zeigt in der Folge an 23 Antworten auf, wie stark wir in einer Systemkrise und Sackgasse stecken. Er ist natürlich nicht der einzige: Seit vielen Jahren gibt es eindringliche und sehr gut fundierte Bücher, die diese Misere korrekt darstellen und auf die Dringlichkeit von Handlungen hinweisen. Die Fakten liegen also schon lange auf dem Tisch. Wieso ändern wir dann nichts? Die Antwort von Uwe Burka ist einfach, aber zutreffend: Uns fehlen die Ideale! Oder wenn man seine Ausführungen auf Seite 43 und 44 noch etwas präzisiert: Wir sind als Kollektiv süchtig und stecken in ganz schlimmen Suchtstrukturen fest. Die Bequemlichkeiten und der Kick, den uns die heutige konsumorientierte Lebensweise bietet, lässt uns in immer schlimmere Zustände abgleiten, ohne dass wir etwas dagegen unternehmen. Die grossen Dealer an den Finanzmärkten und in den Banken versprechen uns weiteren unbeschränkten Konsum und wir glauben ihnen und lassen sie uns weiterhin schamlos betrügen und ausnehmen. Gesunde Ideale, wie beispielsweise eine spekulationsfreie Wirtschaft, die jeder Mensch mit einem Gewissen befürworten müsste, werden verunglimpft oder als “Gefahr für die Wirtschaft“ dargestellt. Menschen mit gesundem Wirtschaftsverstand werden in den Medien als Idealisten verhöhnt, sofern ihre Stimmen nicht einfach totgeschwiegen werden.

Dieses Buch ist dagegen eine Wohltat und liefert ganz viele gut begründete gesunde Ideale und Ideen. Es unterscheidet sich dabei auch von amerikanischen Werken, die uns häufig die meist sehr wenigen und breit ausgewalzten Ideen mit personifizierten Beispielen richtiggehend um die Ohren schlagen. Uwe Burka baut dagegen seine Überlegungen sorgfältig auf seiner sehr breiten und fundierten Praxis auf. Man erfährt an vielen Stellen, dass er stark von anthroposophischen Grundlagen ausgeht, aber er zieht überall auch andere Quellen bei, um Zusammenhänge aufzuzeigen und Hinweise zu geben, die auch praktische Relevanz haben.

Zentral im Buch stehen Überlegungen zu einer neuen Geldordnung. Die Erkenntnis dass Geld im Wesentlichen eine Weltbuchhaltung darstellt und dass wir diese Buchhaltung, an der überall manipuliert und betrogen wird, wieder in Ordnung bringen müssen, ist essentiell. Die einfache Vorstellung, dass die Bilanz stimmen muss wird von jedem Unternehmen auf sich angewendet erstaunlicherweise aber nie auf seine Gültigkait auch für unser „Gesamtunternehmen Erde“ erkannt. Uwe Burka baut darauf auf und schlägt in der Folge ein neues realitätsbezogenes Geld oder Lebensgeld vor, dass eine eingebaute Alterung enthalten und einen Wochen-Referenz-Lebenskorb, also einen Warenkorb als Referenz und Deckung haben soll (Seiten 188-195). Das Geld würde durch Schenkung in den Kultur- Bildungs- oder Umweltbereich in den Umlauf kommen. Dieses Modell enthält gute und wichtige Überlegungen. Es gibt interessanterweise auch anderenorts ähnliche Modelle, z.B. das Gradido oder Joytopia-System von Gerd Hückstätt in Deutschland. Der Eindruck, ein solches System sei sehr realitätsfern ist insofern richtig, als dass sich das heutige Geldsystem, das wir als DIE Realität sehen, sehr sehr weit von der echten wirtschaftlichen Realität entfernt hat. Unsere bestehenden Währungen sind optimiert für Finanzcasino, Wucher und Abzocke, was man erst erkennen kann, wenn man als Kontrast ein realitätsbezogenes Geld einmal ernsthaft und vorurteilslos betrachtet.

Das wichtigste Element des Buches wurde gar noch nicht erwähnt: Uwe Burka hat 10’000 Exemplare auf eigene Kosten drucken lassen und verschenkt das Buch an alle, die es gerne lesen oder z.B. im Schulunterricht einsetzen wollen. Denn: Schenken ist gemäss dem Autor das Element, das Zukunft erst ermöglicht. In diesem Sinne ist es auch ein kompromisslos konsequentes Werk und fügt sich nahtlos in die Taten und Aktionen des Autors zugunsten einer lebenswerten menschlichen Zukunft ein, die in der ausführlichen und spannenden Selbstbiografie am Schluss des Buches aufgezeigt werden.

Fazit: Bestellen, lesen, handeln und weitergeben!

Uwe Burka: Eine zukunftsfähige Geld- und Wirtschaftsordnung für Mensch und Natur (2015), 271 Seiten Paperback, Selbstverlag Uwe Burka, 1070 Puidoux

  • Link zur frei herunterladbaren elektronischen Version (pdf) auf der Homepage des Autors: www.aktivZUKUNFTsichern.com
  • Bestellung Schweiz direkt beim Autor mit adressiertem und mit CHF 1.80 frankiertem (möglichst festem) Briefumschlag A5 oder B5:   Uwe Burka, La Vulpillière 10, 1070 Puidoux
  • Bestellung Deutschland mit adressiertem und mit € 1.00 frankiertem (möglichst festem) Briefumschlag A5 oder B5:   Rainer Kroll, Wohnprojektberatung, Durmersheimer Str. 36, 76185 Karlsruhe

80+1 Jahre WIR-Geld: Ein Oldie mit Potenzial zum Durchstarten

Buchrezension

Hervé Dubois: Faszination WIR – Resistent gegen Krisen, Spekulationen und Profitgier

 

Das WIR-System ist nach wie vor die weltweit grösste Komplementärwährung und konnte im letzten Jahr den 80-ten Geburtstag feiern. Anlässlich des Jubiläums ist ein locker und leicht lesbar geschriebenes Buch erschienen. Der Autor Hervé Dubois war fast zwanzig Jahre lang Kommunikationsleiter der WIR-Bank und hat in dieser Zeit die WIR Bank Genossenschaft, wie sie heute heisst, auch an vielen Konferenzen, Tagungen und Treffen zu Komplementärwährungen vertreten. Mit profundem Insiderwissen versucht er in diesem Werk die verschiedenen Facetten und Zusammenhänge des WIR-Systems im Laufe der langen Geschichte darzustellen. Er scheut sich auch nicht, kritische Punkte anzusprechen, wie etwa das Ende der ursprünglichen „Schwundgeld-Idee“ und die trotz Zinskritik eingeführte Verzinsung des Genossenschaftskapitals, die zu harten Diskussionen innerhalb der Genossenschaft führten. Schrittweise zeigt er die historische Entwicklung auf und es gelingt ihm auch die Gründe zu beleuchten und ein Verständnis für die jeweiligen Entscheidungen herbeizuführen. Ein Ereignis leuchtet aber auch ihm nicht ganz ein (und wir teilen seine Meinung): Der 1958 im Rahmen eines starken Wachstums getroffene Entscheid der Genossenschafter, sich nur noch auf Mittelstandsbetriebe (KMU) zu beschränken und unselbständig erwerbende Privatpersonen auszuschliessen. Denn bereits dem wichtigsten Gründer, Werner Zimmermann „…schwebte eben von Anfang an eine umfassende Lösung für das ganze Volk vor.“ (S.59). Hier hätte das WIR-System noch ein riesiges Potenzial, das aber bis heute noch nicht wieder aktiviert wurde.

Auch das teilweise bis jetzt noch angekratzte Image des WIR-Systems, als „Geld auf dem man sitzen bleibt“ oder „System mit überhöhten Preisen“ wird im Buch auf seine Wurzeln zurückgeführt: Die Zeit der Hochkonjunktur bis 1972 hatte zu starken Auswüchsen und Missbrauch geführt, die bis heute als Gerüchte und Scheininformationen über den WIR kursieren. Die Probleme mit Menschen, die Regeln übertreten und skrupellos in die eigene Tasche wirtschaften kennen wir ja zur Genüge aus unserem „grossen Geldsystem“ Schweizerfranken. Im kleinen WIR-System werden aber die Missstände schneller untragbar, dafür kann die Gemeinschaft sie dann auch leichter korrigieren. Ein Kommentar in der Mitgliederzeitung „WIR-Pionier“ von 1948, der auf Seite 65 des Buches zitiert wird, ist heute noch so aktuell wie damals: „Wie in jeder Gemeinschaft, heisse sie, wie sie wolle, haben sich leider auch einige von dieser üblen Sorte in den Wirtschaftsring einzunisten verstanden. Auch ihre Zahl ist nicht gross und wäre verdaulich. Gross kann aber der Schaden sein, den sie anzurichten vermögen.“ Die noch schönere Bezeichnung für Leute „von dieser üblen Sorte“ lautete dann damals: „Krämerseelen-Kategorie der Super-Egoisten“! Die meisten der damaligen Probleme konnten aber bis Mitte der 70er Jahre mit Umsicht und wirksamen Regeländerungen zum Verschwinden gebracht werden.

Ganz andere Probleme gilt es dagegen heute zu meistern: Die tiefen Zinsen des Normalgeldes machen dem bisher sehr attraktive WIR-Modell, das ohne Zinsen auskommt, sehr zu schaffen. Dadurch ist der natürliche Wettbewerbsvorteil eines zinslosen Systems stark reduziert und es müssen neue Wege gefunden werden, wie sich das System in seiner eigenen Funktion finanzieren kann. Ausserdem gibt es heute via Internet-basierte Innovationen immer mehr Möglichkeiten, geschäftliche Netzwerke aufzubauen, die auch den zweiten Vorteil des WIR als Marketinginstrument (S.35) zunehmend pulverisieren. Der WIR Umsatz hat in den letzten vier Jahren auch kontinuierlich weiter abgenommen und liegt per Ende 2013 bei 1.4 Mia. WIR-Franken (CHW). Der umsatzmässige Höhepunkt zwischen 1993-95 lag bei über 2.5 Mia. CHW, was bei Berücksichtigung der Inflation bedeutet, dass seither wieder eine Abnahme um mehr als die Hälfte stattgefunden hat. (Zu den Zahlen, die immer wieder im Text genannt werden, hätte man dem Buch als Pluspunkt doch einige Grafiken oder Tabellen gewünscht, die solche Entwicklungen leichter erkennbar machen würden.)

Durch den gleichzeitigen Aufbau des parallelen Schweizerfranken-Bankings der WIR-Bank ab 1995 wurde dieser Abnahme-Effekt aber kompensiert und die WIR-Bank insgesamt scheint auf dem aufsteigenden Ast zu sein. Für die dringende Weiterentwicklung des WIR-Systems wurden aber dadurch die Alarmglocken abgestellt und tiefergreifende Innovationen bisher vernachlässigt. Fast am Schluss des Buches steht dazu ein Satz, der das heutige Dilemma der WIR-Bank gut aufzeigt: „Potenzial ist vorhanden, es gibt immer wieder neue Herausforderungen“ (S.140) und man möchte fast weiterlesen „…die verhindern, dass angepackt und das Potenzial endlich umgesetzt werden kann.“ Es wäre dem WIR-System zu wünschen, dass stattdessen gesagt würde: „Sehr viel Potenzial ist vorhanden, jetzt gilt es wieder –  wie zu Beginn 1934 – radikal zu handeln und es auch umzusetzen!“ Denn das WIR-System ist wirklich ein Schlüssel zur Zukunft für uns alle; es beinhaltet insbesondere ein mehr denn je aktuelles und heute dringend notwendiges Geld- und Gemeinschaftsverständnis. Darum kann auch dem Schlussatz des Autors voll zugestimmt und das Buch wirklich zur Lektüre jedem empfohlen werden, der an einer lebenswerten Zukunft interessiert ist: „Aber noch wesentlicher als rein ökonomische Betrachtung ist für mich, dass das WIR-Gedankengut eine echte Chance zur Lösung des grundlegenden Konflikts unserer Gesellschaft darstellt, die sich im Spannungsfeld zwischen Gier und Gewissen völlig verirrt hat.“

Hervé Dubois: Faszination WIR – Resistent gegen Krisen, Spekulationen und Profitgier Faro-Fona-Verlag, Lenzburg, 2014

Link zur Bestellung bei der WIR-Bank

Bestellung bei Buchland (unabhängige Versandbuchhandlung aus dem Zürcher Oberland)

Bei ExLibris

Vom Grossen Krieg zur permanenten Krise

Buchrezension

Marc Chesney: Vom Grossen Krieg zur permanenten Krise – Der Aufstieg der Finanzaristokratie und das Versagen der Demokratie
Versus Verlag, Zürich, 2014

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Es gibt sie noch, Wissenschaftler welche ihr Fachgebiet ernst nehmen und das sagen, was gesagt werden muss, statt sich duckmäuserisch im Mainstream zu verstecken. Marc Chesney ist einer davon und er spricht wirklich aus der “Höhle des Löwen”, nämlich aus dem Bereich  Banking und Finance, wo heute die grössten Raubtiere der Geschichte hausen. Seine brillante Analyse der Situation auf den sogenannten Finanzmärkten zeigt uns die fachmännischen Details der katastrophalen Lage, die uns schon lange bekannt sein müsste. Seine scharfe Kritik mündet in einer ganzen Reihe handfester Massnahmen, wie sich die Finanzsphäre wieder in den Dienst der Wirtschaft und Gesellschaft stellen könnte. Eigentlich schon das perfekte Programm für jeden Politiker, der wirklich etwas gegen die Krise tun will. Wer hat den Mut, wer tritt als erster vor? Prof. Chesney hat es im Bereich der Wirtschaftswissenschaftler vorgemacht, unterstützen Sie ihn dabei!

Link zum Verlag

Genossenschaften im Fokus einer neuen Wirtschaftspolitik

Buchrezension

Tagungsbände der XVII. Internationalen Genossenschaftswissenschaftlichen Tagung in Wien 2012  Herausgegeben von Johann Brazda, Markus Dellinger, Dietmar Rössl, LIT Verlag

Das Jahr 2012 liegt zwar bereits einiges zurück und in unserer schnelllebigen Zeit könnte man eine wissenschaftliche Tagung von damals bereits als überholt betrachten. Und wenn sie dann auch noch über 1’500 Seiten an Vorträgen und Berichten in vier dicken Büchern produziert hat, umso mehr.

Doch beim Thema Genossenschaften verhält es sich zur Zeit eher umgekehrt. Je mehr die Probleme und Krisen der turbokapitalistischen Gesellschaft zunehmen und je unglaubhafter Politiker und Wirtschaftsführer mit ihren ewiggleichen Rezepten von Steuererleichterungen für Besitzende und Sparmassnahmen und Kürzungen für gewöhnliche Bürger oder Bedürftige hantieren, desto mehr wird es deutlich, dass Alternativen gefragt sind. Genossenschaften sind dabei ein attraktives Modell, wie die reale Wirtschaft Interessen der Betroffenen und der Begünstigten wieder in Übereinstimmung bringen kann. Wo dieses Genossenschaftsmodell heute steht, welche Erkenntnisse bestehen und neu gewonnen worden sind und welche Entwicklungen anstehen wird in den 99 verschiedenen Beiträgen der vier Tagungsbände in allen Facetten deutlich.

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Ob und wie Genossenschaften Lösungen zur heutigen Krise bieten können wird zwar auch immer wieder als Frage aufgeworfen, so in der Podiumsdiskussion, die im Band I protokolliert ist. Noch werden von den Experten viele Zweifel angebracht und einer Aussage, wie die von Ernst Fehr (S. 269) wird nicht widersprochen: „Meines Erachtens waren Genossenschaften immer eine Reaktion auf Markt-und Staatsversagen. Sie sind sozusagen dieser Dritte Sektor, der immer einspringt, wenn Märkte und Politik versagen.“ Sie zeigt, dass der Glaube an Markt und Staat immer noch ungebrochen ist. Statt daraus den logischen Schluss zu ziehen, dass Markt und Staat immer wieder versagen, also kein brauchbares Zukunftsmodell darstellen, wie sie heute sind, Genossenschaften aber dieses Versagen korrigieren können, also ein effektiveres Modell darstellen, das zum Hauptmodell werden könnte, wird weiter davon ausgegangen, dass Genossenschaften nur in einer Nische bestehen könnten. Das ist schade.

Der zweite Band liefert fundierte Bestandsaufnahmen und aktuelle Entwicklungen. Dem dritten Band „Zukunftsperspektiven“ hätte man noch mehr visionäre, provokative und grundlegende Beiträge gewünscht. Immerhin werden im Beitrag von Sabine Goldmann (S. 855) die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) unserer Gesellschaft: „Geld“ und „Volkswirtschaft“ diskutiert und darauf hingewiesen, dass die Gestaltung von Geld einen zentrale Rolle in der Gestaltung der Wirtschaft spielt. Aber danach im Abschnitt Neue Entwicklungen in der Rechtsform der Genossenschaft werden statt die Bedürfnisse einer zukünftigen nachhaltigen Gesellschaft als Auftrag und Gestaltungsbedürfnis zu nehmen, Finanzderivate und Eigenkapitalvorschriften diskutiert. Diese Sackgassen sollten als solche gekennzeichnet sein und nicht als Zukunftsperspektiven besprochen werden. 

G:/reihe/umschlag/50515-6_Bd3.dvi G:/reihe/umschlag/50515-6_Bd4.dviDer vierte Band mit den Länderstudien enthält hingegen wieder viel handfestes und anregendes Praxiswissen. Er ist von der Homepage des Verlages frei als PDF/E-Book herunterladbar und gibt einen guten Einblick in die Beiträge der Tagung.

 

 

Insgesamt sind die Tagungsbände ein wertvolles Zeitdokument und Nachschlagewerk das Genossenschaften als pragmatischen und seit mehr als hundert Jahren erprobten Teil der Lösung darstellt. Es ist anzunehmen, dass Genossenschaften weiterhin im Aufwind sind und der Bedarf nach Wissen und Erkenntnis weiter wächst.

Die nächste XVIII. Internationale Genossenschaftswissenschaftliche Tagung findet vom 14. bis 16. September 2016 in Luzern an der Universität Luzern statt. Es ist zu hoffen, dass bis dann noch deutlicher wird, dass Genossenschaften nicht nur eine Nische füllen können, sondern dass das zukünftiges Gesellschaftsmodell mitunter auf ihnen basieren sollte.

Link zum Verlag

Link zur Homepage der Veranstaltung in Wien

ENGAGE!now Tagungsvideo

Die erste Tagung ENGAGE!now fand am 13. Juni 2013 in Windisch an der Hochschule für Technik statt und ist Teil eines globalen Prozesses, in dem Menschen zusammenkommen, um eine Vision für die Welt zu formulieren, in der sie wirklich leben wollen. Dieser Prozess wird von der veranstaltenden Organisation Evolutionäre Perspektiven in Rüschlikon weiterentwickelt. Das Tagungsvideo bietet einen guten Einblick und macht vielleicht neugierig, das nächste Mal auch dabei zu sein?

Link zum Video

Inhalt, Zitat: Angesichts der heutigen Systemkrisen stehen wir sowohl als Einzelne/r, wie auch als Menschheit an einem Punkt, wo es grundsätzlich zu verstehen gilt, dass die Welt, in der wir leben, nicht vom Himmel fällt, sondern dass unsere Gesellschafts-, Werte- und Wirtschaftssysteme unsere Geistesprodukte sind, die von uns Menschen hervorgebracht und gestaltet werden.

Veranstaltung: Eine Quartierwährung für das Hunziker Areal

Auf dem Hunziker Areal in Zürich Oerlikon wird zur Zeit eine grosse Genossenschaftssiedlung der Baugenossenschaft mehr als wohnen gebaut. Mehr als 1000 Leute werden einmal in dem ideenreich und zukunftsgerecht gestalteten Areal  wohnen können und vielleicht werden sie sogar eine eigene Währung verwenden.

Die Fachhochschule Nordwestschweiz lädt zusammen mit der Baugenossenschaft und mit FleXibles zur Diskussion einer möglichen Quartierwährung auf dem Hunziker Areal ein. Eine Projektgruppe arbeitet seit einiger Zeit an einem Konzept und präsentiert nun eine Broschüre mit einem ersten Vorschlag wie die Währung aussehen könnte. Mit Hilfe der Rückmeldungen aus der Veranstaltung und einer Befragung wird das Konzept weiter entwickelt.

Einladung zur Präsentation und Diskussion der Zwischenergebnisse
Donnerstag, 5. September 2013, 18.30 Uhr
Mehrzweckraum Schulhaus Leutschenbach,
Saatlenfussweg 3, 8050 Zürich
Anmeldung bis spätestens Montag, 2. September 2013 an info@mehralswohnen.ch

Flugblatt mit Details: Einladung 130905_Quartierwährung

Postwachstumsökonomie – Befreiung vom Überflüssigen

Buchrezension

Niko Paech: Befreiung vom Überfluss – Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie, oekom Verlag München, 2012

Nikoo Paech ist einer der bedeutendsten und schärfsten Wachstumskritiker und lehrt Produktion und Umwelt an der Universität Oldenburg. Es gelingt ihm besonders in seinen Vorträgen sehr eindrücklich die absurde Situation der heutigen Überfluss- oder Verschwendungsgesellschaft darzustellen und plausible Alternativen aufzuzeigen. In diesem vor einigen Monaten herausgekommenen, kurz und knapp gehaltenen Praxisbuch liest sich der Abschied von einem “Wohlstandsmodell mit chronischer Wachstumsanhängigkeit” auch gut und eingängig.

Nach einer schonungslosen Darstellung der Mängel unseres heutigen Modells, das ewiges Wachstum fordert und durch Wachstumszwänge und Wachstumstreiber in dieser Teufelsspirale gehalten wird, versucht Paech einen umfassenden Entwurf oder Umriss für ein geschlossenes Konzept einer Postwachstumsökonomie darzustellen. Einige Punkte aus dem Bereich der Produktion:

  • Nutzungsintensivierung durch Gemeinschaftsnutzung
  • Verlängerung der Nutzungsdauer
  • Eigenproduktion

Weitere Bereiche wie die Subsistenz – und das ist der tolle Ansatz von Paech- werden in Zusammenhängen dargestellt. Es ist nicht möglich mit einer Massnahme oder einem Bereich alleine etwas zu verändern! Wir müssen dazu kommen  Schrumpfung, Rückbau, Weniger, Langsamer, Einfacher, etc. als positive und erstrebenswerte Vorstellungen zu betrachten.

Paech sieht ebenfalls die Rolle des Geldes, scheint jedoch noch etwas befangen darin, die enorm wichtige Rolle eines neuen Geldsystems zu erkennen. Regiogeld wird z.B. als nützlich zur Re-Lokalisierung der Wirtschaftskreisläufe gesehen, nicht die heutige Geldkonstruktion als ganzes in Frage gestellt. Hier könnte der Autor noch etwas tiefer gehen.

Auch der Lösungsindex, des Buches ist gar nicht schlecht und liegt bei 36% (38/105). Das ist eine Zahl (die wir hier übrigens zum ersten Mal postulieren), die bei einem Buch über Zukunftsfragen das Verhältnis aufzeigt zwischen der  Anzahl Seiten, die sich mit Analyse und dem Schlimmsten des Bestehenden beschäftigen, gegenüber der Anzahl Seiten, die Lösungen und Vorschläge für eine neue Welt enthalten. (Üblicherweise liegt der Index besonders bei amerikanischen Autoren unter 10%….).

Ein kleines Buch, rasch gelesen, grosse Wirkung und danach weitergegeben an Freunde, ganz nach dem Motto des Autors: Souverän ist nicht, wer viel hat, sondern wer weniger braucht.

Link zum Verlag

 

ENGAGE!now – Tagung

Titelzeile EngageNow

ENGAGE!now ist eine Tagung an der evolutionäre Perspektiven für Wirtschaft und Gesellschaft auf ihrem Weg zu echten Handlungen gemeinsam besprochen werden.

Donnerstag 13. Juni 2013 – ab 13:00 bis 18: Uhr an der Fachhochschule Nordwestschweiz, Campus Windisch, Aula

ENGAGE!now ist Teil eines globalen Prozesses, in dem Menschen zusammenkommen, um die Vision für eine Welt zu formulieren, in der sie leben wollen. Damit geben sie der Zukunft ein Gesicht, bringen sich in Position, um sich bewusst für sie einzusetzen, sie zu planen und im engagierten Handeln zu erreichen. Die Rückbesinnung auf gesellschaftliche, kulturelle, naturgegebene und wirt- schaftliche Werte und Anliegen ist dafür eine entscheidende Voraussetzung. Grosse Potentiale und brachliegende Fä- higkeiten als Einzelne und in der Zusammenarbeit sind zu erkennen und zu aktivieren. Der Schöpfung und dem Menschen als Teil der Schöpfung ist Raum zu geben und Wege sind zu finden, um ihre Kostbarkeit zu wahren und zu schützen.

Weitere Informationen und Tagungsprogramm:
ENGAGEnow Programm