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Buch- und Medienrezensionen von spannenden neuen und alten Werken zur Zukunft von Wirtschaft, Geld und Arbeit

Jeder kann die Zukunft mitgestalten…

Buchrezension

Uwe Burka: Eine zukunftsfähige Geld- und Wirtschaftsordnung für Mensch und Natur

Die Wirtschaftssituation unserer Welt wird immer kritischer. Besonders auch in Südeuropa ist in den letzten Jahren durch die unverantwortlichen und unglaublich dreisten Raubzüge auf die Volksvermögen unter dem täuschenden Titel „Eurorettung“ viel verderbliches geschehen. Die Krisenfront rückt also näher und es wird immer drängender dass wir aufwachen und etwas tun. Hier setzt Uwe Burka mit seinem Buch an und er hat nicht nur eine gut lesbare und kritische Analyse der Gegenwartsproblematik zu bieten, sondern vor allem eine Fülle von spannenden und praxisnahen Ideen, wie wir wieder zur Vernunft im Wirtschaften kommen können.

Warum brauchen wir eine zukunftsfähige Geld- und Wirtschaftsordnung? Mit dieser einfachen Frage am Anfang des Buches überholen wir bereits locker die meisten Experten und alle Wirtschaftsführern und Politiker, die sich bis heute nicht damit befassen wollen, obwohl die Probleme sich türmen. Uwe Burka zeigt in der Folge an 23 Antworten auf, wie stark wir in einer Systemkrise und Sackgasse stecken. Er ist natürlich nicht der einzige: Seit vielen Jahren gibt es eindringliche und sehr gut fundierte Bücher, die diese Misere korrekt darstellen und auf die Dringlichkeit von Handlungen hinweisen. Die Fakten liegen also schon lange auf dem Tisch. Wieso ändern wir dann nichts? Die Antwort von Uwe Burka ist einfach, aber zutreffend: Uns fehlen die Ideale! Oder wenn man seine Ausführungen auf Seite 43 und 44 noch etwas präzisiert: Wir sind als Kollektiv süchtig und stecken in ganz schlimmen Suchtstrukturen fest. Die Bequemlichkeiten und der Kick, den uns die heutige konsumorientierte Lebensweise bietet, lässt uns in immer schlimmere Zustände abgleiten, ohne dass wir etwas dagegen unternehmen. Die grossen Dealer an den Finanzmärkten und in den Banken versprechen uns weiteren unbeschränkten Konsum und wir glauben ihnen und lassen sie uns weiterhin schamlos betrügen und ausnehmen. Gesunde Ideale, wie beispielsweise eine spekulationsfreie Wirtschaft, die jeder Mensch mit einem Gewissen befürworten müsste, werden verunglimpft oder als “Gefahr für die Wirtschaft“ dargestellt. Menschen mit gesundem Wirtschaftsverstand werden in den Medien als Idealisten verhöhnt, sofern ihre Stimmen nicht einfach totgeschwiegen werden.

Dieses Buch ist dagegen eine Wohltat und liefert ganz viele gut begründete gesunde Ideale und Ideen. Es unterscheidet sich dabei auch von amerikanischen Werken, die uns häufig die meist sehr wenigen und breit ausgewalzten Ideen mit personifizierten Beispielen richtiggehend um die Ohren schlagen. Uwe Burka baut dagegen seine Überlegungen sorgfältig auf seiner sehr breiten und fundierten Praxis auf. Man erfährt an vielen Stellen, dass er stark von anthroposophischen Grundlagen ausgeht, aber er zieht überall auch andere Quellen bei, um Zusammenhänge aufzuzeigen und Hinweise zu geben, die auch praktische Relevanz haben.

Zentral im Buch stehen Überlegungen zu einer neuen Geldordnung. Die Erkenntnis dass Geld im Wesentlichen eine Weltbuchhaltung darstellt und dass wir diese Buchhaltung, an der überall manipuliert und betrogen wird, wieder in Ordnung bringen müssen, ist essentiell. Die einfache Vorstellung, dass die Bilanz stimmen muss wird von jedem Unternehmen auf sich angewendet erstaunlicherweise aber nie auf seine Gültigkait auch für unser „Gesamtunternehmen Erde“ erkannt. Uwe Burka baut darauf auf und schlägt in der Folge ein neues realitätsbezogenes Geld oder Lebensgeld vor, dass eine eingebaute Alterung enthalten und einen Wochen-Referenz-Lebenskorb, also einen Warenkorb als Referenz und Deckung haben soll (Seiten 188-195). Das Geld würde durch Schenkung in den Kultur- Bildungs- oder Umweltbereich in den Umlauf kommen. Dieses Modell enthält gute und wichtige Überlegungen. Es gibt interessanterweise auch anderenorts ähnliche Modelle, z.B. das Gradido oder Joytopia-System von Gerd Hückstätt in Deutschland. Der Eindruck, ein solches System sei sehr realitätsfern ist insofern richtig, als dass sich das heutige Geldsystem, das wir als DIE Realität sehen, sehr sehr weit von der echten wirtschaftlichen Realität entfernt hat. Unsere bestehenden Währungen sind optimiert für Finanzcasino, Wucher und Abzocke, was man erst erkennen kann, wenn man als Kontrast ein realitätsbezogenes Geld einmal ernsthaft und vorurteilslos betrachtet.

Das wichtigste Element des Buches wurde gar noch nicht erwähnt: Uwe Burka hat 10’000 Exemplare auf eigene Kosten drucken lassen und verschenkt das Buch an alle, die es gerne lesen oder z.B. im Schulunterricht einsetzen wollen. Denn: Schenken ist gemäss dem Autor das Element, das Zukunft erst ermöglicht. In diesem Sinne ist es auch ein kompromisslos konsequentes Werk und fügt sich nahtlos in die Taten und Aktionen des Autors zugunsten einer lebenswerten menschlichen Zukunft ein, die in der ausführlichen und spannenden Selbstbiografie am Schluss des Buches aufgezeigt werden.

Fazit: Bestellen, lesen, handeln und weitergeben!

Uwe Burka: Eine zukunftsfähige Geld- und Wirtschaftsordnung für Mensch und Natur (2015), 271 Seiten Paperback, Selbstverlag Uwe Burka, 1070 Puidoux

  • Link zur frei herunterladbaren elektronischen Version (pdf) auf der Homepage des Autors: www.aktivZUKUNFTsichern.com
  • Bestellung Schweiz direkt beim Autor mit adressiertem und mit CHF 1.80 frankiertem (möglichst festem) Briefumschlag A5 oder B5:   Uwe Burka, La Vulpillière 10, 1070 Puidoux
  • Bestellung Deutschland mit adressiertem und mit € 1.00 frankiertem (möglichst festem) Briefumschlag A5 oder B5:   Rainer Kroll, Wohnprojektberatung, Durmersheimer Str. 36, 76185 Karlsruhe

80+1 Jahre WIR-Geld: Ein Oldie mit Potenzial zum Durchstarten

Buchrezension

Hervé Dubois: Faszination WIR – Resistent gegen Krisen, Spekulationen und Profitgier

 

Das WIR-System ist nach wie vor die weltweit grösste Komplementärwährung und konnte im letzten Jahr den 80-ten Geburtstag feiern. Anlässlich des Jubiläums ist ein locker und leicht lesbar geschriebenes Buch erschienen. Der Autor Hervé Dubois war fast zwanzig Jahre lang Kommunikationsleiter der WIR-Bank und hat in dieser Zeit die WIR Bank Genossenschaft, wie sie heute heisst, auch an vielen Konferenzen, Tagungen und Treffen zu Komplementärwährungen vertreten. Mit profundem Insiderwissen versucht er in diesem Werk die verschiedenen Facetten und Zusammenhänge des WIR-Systems im Laufe der langen Geschichte darzustellen. Er scheut sich auch nicht, kritische Punkte anzusprechen, wie etwa das Ende der ursprünglichen „Schwundgeld-Idee“ und die trotz Zinskritik eingeführte Verzinsung des Genossenschaftskapitals, die zu harten Diskussionen innerhalb der Genossenschaft führten. Schrittweise zeigt er die historische Entwicklung auf und es gelingt ihm auch die Gründe zu beleuchten und ein Verständnis für die jeweiligen Entscheidungen herbeizuführen. Ein Ereignis leuchtet aber auch ihm nicht ganz ein (und wir teilen seine Meinung): Der 1958 im Rahmen eines starken Wachstums getroffene Entscheid der Genossenschafter, sich nur noch auf Mittelstandsbetriebe (KMU) zu beschränken und unselbständig erwerbende Privatpersonen auszuschliessen. Denn bereits dem wichtigsten Gründer, Werner Zimmermann „…schwebte eben von Anfang an eine umfassende Lösung für das ganze Volk vor.“ (S.59). Hier hätte das WIR-System noch ein riesiges Potenzial, das aber bis heute noch nicht wieder aktiviert wurde.

Auch das teilweise bis jetzt noch angekratzte Image des WIR-Systems, als „Geld auf dem man sitzen bleibt“ oder „System mit überhöhten Preisen“ wird im Buch auf seine Wurzeln zurückgeführt: Die Zeit der Hochkonjunktur bis 1972 hatte zu starken Auswüchsen und Missbrauch geführt, die bis heute als Gerüchte und Scheininformationen über den WIR kursieren. Die Probleme mit Menschen, die Regeln übertreten und skrupellos in die eigene Tasche wirtschaften kennen wir ja zur Genüge aus unserem „grossen Geldsystem“ Schweizerfranken. Im kleinen WIR-System werden aber die Missstände schneller untragbar, dafür kann die Gemeinschaft sie dann auch leichter korrigieren. Ein Kommentar in der Mitgliederzeitung „WIR-Pionier“ von 1948, der auf Seite 65 des Buches zitiert wird, ist heute noch so aktuell wie damals: „Wie in jeder Gemeinschaft, heisse sie, wie sie wolle, haben sich leider auch einige von dieser üblen Sorte in den Wirtschaftsring einzunisten verstanden. Auch ihre Zahl ist nicht gross und wäre verdaulich. Gross kann aber der Schaden sein, den sie anzurichten vermögen.“ Die noch schönere Bezeichnung für Leute „von dieser üblen Sorte“ lautete dann damals: „Krämerseelen-Kategorie der Super-Egoisten“! Die meisten der damaligen Probleme konnten aber bis Mitte der 70er Jahre mit Umsicht und wirksamen Regeländerungen zum Verschwinden gebracht werden.

Ganz andere Probleme gilt es dagegen heute zu meistern: Die tiefen Zinsen des Normalgeldes machen dem bisher sehr attraktive WIR-Modell, das ohne Zinsen auskommt, sehr zu schaffen. Dadurch ist der natürliche Wettbewerbsvorteil eines zinslosen Systems stark reduziert und es müssen neue Wege gefunden werden, wie sich das System in seiner eigenen Funktion finanzieren kann. Ausserdem gibt es heute via Internet-basierte Innovationen immer mehr Möglichkeiten, geschäftliche Netzwerke aufzubauen, die auch den zweiten Vorteil des WIR als Marketinginstrument (S.35) zunehmend pulverisieren. Der WIR Umsatz hat in den letzten vier Jahren auch kontinuierlich weiter abgenommen und liegt per Ende 2013 bei 1.4 Mia. WIR-Franken (CHW). Der umsatzmässige Höhepunkt zwischen 1993-95 lag bei über 2.5 Mia. CHW, was bei Berücksichtigung der Inflation bedeutet, dass seither wieder eine Abnahme um mehr als die Hälfte stattgefunden hat. (Zu den Zahlen, die immer wieder im Text genannt werden, hätte man dem Buch als Pluspunkt doch einige Grafiken oder Tabellen gewünscht, die solche Entwicklungen leichter erkennbar machen würden.)

Durch den gleichzeitigen Aufbau des parallelen Schweizerfranken-Bankings der WIR-Bank ab 1995 wurde dieser Abnahme-Effekt aber kompensiert und die WIR-Bank insgesamt scheint auf dem aufsteigenden Ast zu sein. Für die dringende Weiterentwicklung des WIR-Systems wurden aber dadurch die Alarmglocken abgestellt und tiefergreifende Innovationen bisher vernachlässigt. Fast am Schluss des Buches steht dazu ein Satz, der das heutige Dilemma der WIR-Bank gut aufzeigt: „Potenzial ist vorhanden, es gibt immer wieder neue Herausforderungen“ (S.140) und man möchte fast weiterlesen „…die verhindern, dass angepackt und das Potenzial endlich umgesetzt werden kann.“ Es wäre dem WIR-System zu wünschen, dass stattdessen gesagt würde: „Sehr viel Potenzial ist vorhanden, jetzt gilt es wieder –  wie zu Beginn 1934 – radikal zu handeln und es auch umzusetzen!“ Denn das WIR-System ist wirklich ein Schlüssel zur Zukunft für uns alle; es beinhaltet insbesondere ein mehr denn je aktuelles und heute dringend notwendiges Geld- und Gemeinschaftsverständnis. Darum kann auch dem Schlussatz des Autors voll zugestimmt und das Buch wirklich zur Lektüre jedem empfohlen werden, der an einer lebenswerten Zukunft interessiert ist: „Aber noch wesentlicher als rein ökonomische Betrachtung ist für mich, dass das WIR-Gedankengut eine echte Chance zur Lösung des grundlegenden Konflikts unserer Gesellschaft darstellt, die sich im Spannungsfeld zwischen Gier und Gewissen völlig verirrt hat.“

Hervé Dubois: Faszination WIR – Resistent gegen Krisen, Spekulationen und Profitgier Faro-Fona-Verlag, Lenzburg, 2014

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Vom Grossen Krieg zur permanenten Krise

Buchrezension

Marc Chesney: Vom Grossen Krieg zur permanenten Krise – Der Aufstieg der Finanzaristokratie und das Versagen der Demokratie
Versus Verlag, Zürich, 2014

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Es gibt sie noch, Wissenschaftler welche ihr Fachgebiet ernst nehmen und das sagen, was gesagt werden muss, statt sich duckmäuserisch im Mainstream zu verstecken. Marc Chesney ist einer davon und er spricht wirklich aus der “Höhle des Löwen”, nämlich aus dem Bereich  Banking und Finance, wo heute die grössten Raubtiere der Geschichte hausen. Seine brillante Analyse der Situation auf den sogenannten Finanzmärkten zeigt uns die fachmännischen Details der katastrophalen Lage, die uns schon lange bekannt sein müsste. Seine scharfe Kritik mündet in einer ganzen Reihe handfester Massnahmen, wie sich die Finanzsphäre wieder in den Dienst der Wirtschaft und Gesellschaft stellen könnte. Eigentlich schon das perfekte Programm für jeden Politiker, der wirklich etwas gegen die Krise tun will. Wer hat den Mut, wer tritt als erster vor? Prof. Chesney hat es im Bereich der Wirtschaftswissenschaftler vorgemacht, unterstützen Sie ihn dabei!

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Genossenschaften im Fokus einer neuen Wirtschaftspolitik

Buchrezension

Tagungsbände der XVII. Internationalen Genossenschaftswissenschaftlichen Tagung in Wien 2012  Herausgegeben von Johann Brazda, Markus Dellinger, Dietmar Rössl, LIT Verlag

Das Jahr 2012 liegt zwar bereits einiges zurück und in unserer schnelllebigen Zeit könnte man eine wissenschaftliche Tagung von damals bereits als überholt betrachten. Und wenn sie dann auch noch über 1’500 Seiten an Vorträgen und Berichten in vier dicken Büchern produziert hat, umso mehr.

Doch beim Thema Genossenschaften verhält es sich zur Zeit eher umgekehrt. Je mehr die Probleme und Krisen der turbokapitalistischen Gesellschaft zunehmen und je unglaubhafter Politiker und Wirtschaftsführer mit ihren ewiggleichen Rezepten von Steuererleichterungen für Besitzende und Sparmassnahmen und Kürzungen für gewöhnliche Bürger oder Bedürftige hantieren, desto mehr wird es deutlich, dass Alternativen gefragt sind. Genossenschaften sind dabei ein attraktives Modell, wie die reale Wirtschaft Interessen der Betroffenen und der Begünstigten wieder in Übereinstimmung bringen kann. Wo dieses Genossenschaftsmodell heute steht, welche Erkenntnisse bestehen und neu gewonnen worden sind und welche Entwicklungen anstehen wird in den 99 verschiedenen Beiträgen der vier Tagungsbände in allen Facetten deutlich.

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Ob und wie Genossenschaften Lösungen zur heutigen Krise bieten können wird zwar auch immer wieder als Frage aufgeworfen, so in der Podiumsdiskussion, die im Band I protokolliert ist. Noch werden von den Experten viele Zweifel angebracht und einer Aussage, wie die von Ernst Fehr (S. 269) wird nicht widersprochen: „Meines Erachtens waren Genossenschaften immer eine Reaktion auf Markt-und Staatsversagen. Sie sind sozusagen dieser Dritte Sektor, der immer einspringt, wenn Märkte und Politik versagen.“ Sie zeigt, dass der Glaube an Markt und Staat immer noch ungebrochen ist. Statt daraus den logischen Schluss zu ziehen, dass Markt und Staat immer wieder versagen, also kein brauchbares Zukunftsmodell darstellen, wie sie heute sind, Genossenschaften aber dieses Versagen korrigieren können, also ein effektiveres Modell darstellen, das zum Hauptmodell werden könnte, wird weiter davon ausgegangen, dass Genossenschaften nur in einer Nische bestehen könnten. Das ist schade.

Der zweite Band liefert fundierte Bestandsaufnahmen und aktuelle Entwicklungen. Dem dritten Band „Zukunftsperspektiven“ hätte man noch mehr visionäre, provokative und grundlegende Beiträge gewünscht. Immerhin werden im Beitrag von Sabine Goldmann (S. 855) die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) unserer Gesellschaft: „Geld“ und „Volkswirtschaft“ diskutiert und darauf hingewiesen, dass die Gestaltung von Geld einen zentrale Rolle in der Gestaltung der Wirtschaft spielt. Aber danach im Abschnitt Neue Entwicklungen in der Rechtsform der Genossenschaft werden statt die Bedürfnisse einer zukünftigen nachhaltigen Gesellschaft als Auftrag und Gestaltungsbedürfnis zu nehmen, Finanzderivate und Eigenkapitalvorschriften diskutiert. Diese Sackgassen sollten als solche gekennzeichnet sein und nicht als Zukunftsperspektiven besprochen werden. 

G:/reihe/umschlag/50515-6_Bd3.dvi G:/reihe/umschlag/50515-6_Bd4.dviDer vierte Band mit den Länderstudien enthält hingegen wieder viel handfestes und anregendes Praxiswissen. Er ist von der Homepage des Verlages frei als PDF/E-Book herunterladbar und gibt einen guten Einblick in die Beiträge der Tagung.

 

 

Insgesamt sind die Tagungsbände ein wertvolles Zeitdokument und Nachschlagewerk das Genossenschaften als pragmatischen und seit mehr als hundert Jahren erprobten Teil der Lösung darstellt. Es ist anzunehmen, dass Genossenschaften weiterhin im Aufwind sind und der Bedarf nach Wissen und Erkenntnis weiter wächst.

Die nächste XVIII. Internationale Genossenschaftswissenschaftliche Tagung findet vom 14. bis 16. September 2016 in Luzern an der Universität Luzern statt. Es ist zu hoffen, dass bis dann noch deutlicher wird, dass Genossenschaften nicht nur eine Nische füllen können, sondern dass das zukünftiges Gesellschaftsmodell mitunter auf ihnen basieren sollte.

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Link zur Homepage der Veranstaltung in Wien

Postwachstumsökonomie – Befreiung vom Überflüssigen

Buchrezension

Niko Paech: Befreiung vom Überfluss – Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie, oekom Verlag München, 2012

Nikoo Paech ist einer der bedeutendsten und schärfsten Wachstumskritiker und lehrt Produktion und Umwelt an der Universität Oldenburg. Es gelingt ihm besonders in seinen Vorträgen sehr eindrücklich die absurde Situation der heutigen Überfluss- oder Verschwendungsgesellschaft darzustellen und plausible Alternativen aufzuzeigen. In diesem vor einigen Monaten herausgekommenen, kurz und knapp gehaltenen Praxisbuch liest sich der Abschied von einem “Wohlstandsmodell mit chronischer Wachstumsanhängigkeit” auch gut und eingängig.

Nach einer schonungslosen Darstellung der Mängel unseres heutigen Modells, das ewiges Wachstum fordert und durch Wachstumszwänge und Wachstumstreiber in dieser Teufelsspirale gehalten wird, versucht Paech einen umfassenden Entwurf oder Umriss für ein geschlossenes Konzept einer Postwachstumsökonomie darzustellen. Einige Punkte aus dem Bereich der Produktion:

  • Nutzungsintensivierung durch Gemeinschaftsnutzung
  • Verlängerung der Nutzungsdauer
  • Eigenproduktion

Weitere Bereiche wie die Subsistenz – und das ist der tolle Ansatz von Paech- werden in Zusammenhängen dargestellt. Es ist nicht möglich mit einer Massnahme oder einem Bereich alleine etwas zu verändern! Wir müssen dazu kommen  Schrumpfung, Rückbau, Weniger, Langsamer, Einfacher, etc. als positive und erstrebenswerte Vorstellungen zu betrachten.

Paech sieht ebenfalls die Rolle des Geldes, scheint jedoch noch etwas befangen darin, die enorm wichtige Rolle eines neuen Geldsystems zu erkennen. Regiogeld wird z.B. als nützlich zur Re-Lokalisierung der Wirtschaftskreisläufe gesehen, nicht die heutige Geldkonstruktion als ganzes in Frage gestellt. Hier könnte der Autor noch etwas tiefer gehen.

Auch der Lösungsindex, des Buches ist gar nicht schlecht und liegt bei 36% (38/105). Das ist eine Zahl (die wir hier übrigens zum ersten Mal postulieren), die bei einem Buch über Zukunftsfragen das Verhältnis aufzeigt zwischen der  Anzahl Seiten, die sich mit Analyse und dem Schlimmsten des Bestehenden beschäftigen, gegenüber der Anzahl Seiten, die Lösungen und Vorschläge für eine neue Welt enthalten. (Üblicherweise liegt der Index besonders bei amerikanischen Autoren unter 10%….).

Ein kleines Buch, rasch gelesen, grosse Wirkung und danach weitergegeben an Freunde, ganz nach dem Motto des Autors: Souverän ist nicht, wer viel hat, sondern wer weniger braucht.

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Prethinking Work – Arbeit vorausdenken

Buchrezension

Sabina Jeschke, Frank Hees, Anja Richert, Sven Trantow (eds.): Prethinking Work – Insights on the Future of Work, LIT Verlag Berlin, 2012, (in Englisch!)

Kurzbeschreibung des Verlages: The dynamic change of work is one the greatest challenges of advanced industrial societies. Work is a systematically relevant element of the global economy, part of our everyday life and a reflection of our socioeconomic conditions and developments. This book outlines important trends, opportunities and risks in the working environment of the 21st century. International researchers, economic actors and politicians from twelve different countries are prethinking work, and have produced inspiring articles on the future of work and the future of our socioeconomic reality.

WissenschaftlerInnen aus 12 Ländern stellen in diesem Buch Arbeit vorausdenken – Einsichten in die Zukunft der Arbeit ihre Sicht der Zukunft der Arbeit dar und beschreiben die wichtigsten Entwicklungen und Herausforderungen, denen ihrer Meinung nach die Arbeitswelt begegnen wird. Dabei wurde ein spezielles Verfahren gewählt: Jeder Beitrag ist auf genau zwei Buchseiten beschränkt. Die 32 Beiträge von insgesamt 47 AutorInnen sind in sechs Abschnitte gegliedert:

  • Arbeitsgesellschaft (Working Society)
  • Menschliche Arbeitskraft (Human Workforce)
  • Kollektivkompetenz (Collective Competence)
  • Innovationskultur (Innovation Culture)
  • Virtuelles Arbeiten (Virtual Work)
  • Arbeitsplatzinnovation (Workplace Innovation)

In den meisten Beiträgen ist Innovation das Haupt-Wort, besonders Offene Innovation, das aber zumeist schwammig bleibt. Konkurrenz und Wettbewerb werden in vielen Beiträgen weiter als zentrale Kräfte der Entwicklung angesehen. Viele AutorInnen betonen aber auch die selbstbestimmte Arbeit und eine höhere Flexibilisierung. Eine gewisse Globalisierungskritik wird berücksichtigt, häufig aber gleich wieder relativiert.

Spezielle Beiträge, die herausstechen:

  • Rückkehr der Zünfte (Rebirth of Guilds) von Charlie Grantham, worin er beschreibt, dass die Rückkehr der Produktionsmittel zum Individuum stattfinden könnte und neue zunftähnliche Strukturen entstehen könnten.
  • Reflektion der Arbeit als Gesellschaftliches Bedürfnis (Reflecting on Work as Societal Need) von Milena Jostmeier, worin als fast einzigem Beitrag aufgegriffen wird, dass Arbeit ja primär eine gesellschaftliche Angelegenheit ist und von den Bedürfnissen der Anderen ausgeht.

Es fehlen im ganzen Buch viele grundlegende Überlegungen und wichtige Strömungen und Graswurzel-Autoren sind nicht vertreten, z.B. cradle to cradle, Braungart oder die Aspekte der Gemeinwohlökonomie von Felber. Bei der Mehrheit der AutorInnen überwiegt die Extrapolation der Vergangenheit, statt des Denkens aus den Notwendigkeiten der Zukunft. Insofern gibt diese an sich interessante Sammlung dafür einen breiten Überblick über den Stand des Denkens über die Arbeit an etablierten Institutionen. Das macht die Ansatzpunkte gut erkennbar, woran noch gearbeitet werden muss, bis unser Verständnis von Arbeit einen wirklichen Schritt weiterkommen kann.

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EURO-Krise, Austritt als Lösung?

Buchrezension

Dirk Meyer: EURO-Krise, Austritt als Lösung?, LIT Verlag Berlin, 2012

Die sogenannte Eurokrise beschäftigt weiter. Nachdem im letzten Jahr und bis vor kurzem eine „pragmatische“ Sparpolitik angesagt war und eine einzige Lösung „Staat zahlt und Banken können sich auf freiwilliger Basis überlegen, ob sie den bedrohten Ländern mit dem Gratisgeld helfen wollen“ von Merkel-Sarkozy & CO aktuell war, haben sich doch nun einige weitere Stimmen gemeldet, die auch andere Lösungen sehen. Einer davon ist Dirk Meyer, der in Hamburg eine Professur für Volkswirtschaft innehat. Sein neu herausgekommenes Buch zur Euro-Krise bietet jedenfalls eine fundierte Analyse und einige bereits durchdachte Vorschläge, die bedenkenswert sind. Als erster und entscheidender Punkt, stellt er einen Austritt aus dem Euro-System als grundsätzlich machbar dar. Dadurch öffnen sich einige Türen im Denkraum, die durch die irrige TINA (there is no alternative) Methode der herrschenden Politklasse weggeschwatzt werden. Plötzlich werden Möglichkeiten sichtbar, die vielleicht zu einer echten Lösung führen könnten. Meyer unterscheidet einmal die Variante des Austritts der schwachen Währungspartner (Griechenland, Portugal, Spanien, etc.), die mittels einer neuen abgewerteten Währung wieder wirtschaftlich Fahrt gewinnen würden oder die Variante eines Austritts der starken Partner im Norden (Deutschland, Holland, etc.), die durch eine aufgewertete Währung dann in ihrem zerstörerischen Siegeslauf zurückgebunden werden könnten. Diese Möglichkeiten werden sehr detailliert und fachkundig untersucht und erweisen sich als grundsätzlich machbar. Ebenfalls wird die Idee einer Paralellwährung, d.h. dem Weiterbestehen von Euro und gleichzeitigem Einführen von nationalen Zweitwährungen grundsätzlich besprochen. Diese könnten sich auch als Königsweg aus der Krise erweisen. Hier existieren bereits verschiedene gut durchdachte Ideen, die leider im Buch nur zum kleinen Teil referenziert werden. (Siehe dazu auch das folgende von uns mit-bearbeitet Papier (Link).

Trotz dieser kleinen Schwäche ist das Buch wirklich zu empfehlen, macht es doch etwas vom allerwichtigsten, was wir in der heutigen Krisenzeit benötigen: Es zeigt Alternativen auf! In diesem Sinne für interessierte Laien und Fachleute und als Diskussionsgrundlage sehr empfehlenswert.

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Wie wollen wir leben- Kinder philosophieren über Nachhaltigkeit

Buchrezension

Eberhard von Kuenheim Stiftung, Akademie Kinder Philosophieren (Hrsg.)

oekom verlag München, 2012

Ist Philosophie zu etwas nütze? Diese ewig misstrauische Frage könnte man auch bei diesem Buch über Nachhaltigkeit stellen, wenn sogar Kinder noch zum Philosophieren gebracht werden sollen. Wer jedoch etwas weiter darüber nachdenkt, wo Nachhaltigkeit beginnt – im Denken – kann jedoch ein solches Ansinnen nur begrüssen. Überhaupt sind Kinder eigentlich die geborenen Philosophinnen und Philosophen, denn sie stellen ganz unbefangen ihre Fragen und geben Antworten, die ihr eigenes Denkgebiet erweitern und vertiefen. Solches hört dann leider bei vielen Erwachsenen auf, die sich häufig auf die Gebiete beschränken, die sie einmal (z.B. in der Kindheit) kennengelernt haben. Beim Unterfangen, bereits Kindern den Wert der Nachhaltigkeit zu vermitteln, ist deshalb der Weg der Philosophie eine wichtige Sache.

Das vorliegende Buch ist dabei als ganz praktische Anleitung aufgebaut – eigentlich ein Buch für Lehrkräfte, die gerne mit Kindern zusammen in dieses Gebiet einsteigen wollen.

Neben grundsätzlichen Einführungen zum Begriff der Nachhaltigkeit, zur Bildung für nachhaltige Entwicklung und zum Warum des Philosophierens, geht es vor allem um die Methodik. Mit einer sorgfältigen Einführung und Anleitung zum Philosophieren wird der geeignete praxiserprobte Rahmen abgesteckt, der für die Arbeit mit Kindern verwendet werden kann. Das weite Gebiet der Nachhaltigkeit wird dann in folgenden, beispielhaften philosophischen Einheiten behandelt:

  • Mensch und Natur
  • Konsum
  • Gemeinschaft
  • Lebensfreude
  • Kultur
  • Zukunft

Zu Beginn jeder Einheit erscheinen die verwendeten Fragen, die eigentlichen Schlüssel zu den Gesprächen. Beim Thema Mensch und Natur sind dies z.B.: Wem gehört die Natur?“, Ist der Mensch wichtiger als die Natur? oder Sind alle Tiere gleich viel wert?. In den Einheiten werden dann weitere Vertiefungsfragen oder Gedankenexperimente angeboten. Eine Liste mit den verwendeten Materialien oder Anregungen zu vertiefter Forschung werden ebenfalls angegeben. Beispielhaft sind auch Antworten von Kindern eingestreut. Spannend wäre es gewesen, wenn auch ein vollständiges Protokoll einer solchen Philosophierunde gezeigt würde. Vielleicht ist dieses Fehlen jedoch bewusst, denn so ist man auf eigene Experimente angewiesen, um die Wirkung der gegebenen Rezepte bei den kleinen DiskussionspartnerInnen zu erfahren.

Insgesamt also ein Buch, das auffordert, tätig zu werden. Das ist im Bereich Nachhaltigkeit heute besonders nötig und weil es sich an die nächste Generation richtet, wird es besonders glaubwürdig. Doch vorsichtig: Viele Fragen könnten zwar die Kinder beflügeln, aber vielleicht die Erwachsenen überfordern. Viele von uns Älteren hatten leider nie die Gelegenheit, so ungezwungen, konstruktiv und doch ernsthaft über die Zukunft von Menschheit und Erde nachzudenken, wie es in diesem Buch vorgeschlagen wird.

Fazit: Sehr empfehlenswert für die Arbeit mit Kindern, sei es zu Hause oder in Schulen.

Das Buch ist erhältlich direkt beim Verlag:

www.oekom.de

oder bei

http://www.amazon.de/Wie-wollen-leben-philosophieren-Nachhaltigkeit/dp/3865812295/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1335188065&sr=8-3

Weiterführende Links:

http://www.kinder-philosophieren.de/

2026 – Rückblick auf die Zeit nach dem Ölschock

Buchrezension: Ein Doku Roman von Martin Klöti

Verlag Textwerkstatt, Olten, 2007

 

Wenn die Menschheit lernen würde…

Das Jahr 2026 lag zwanzig Jahre in der Zukunft, als dieses hoffnungsvolle Buch herauskam. Es beschreibt die Zeit nach einem Ölschock im Jahre 2007, in der die Menschheit tatsächlich etwas dazugelernt hat. Das grosse Umdenken bezüglich Umwelt und Ressourcenverbrauch wurde ernst gemacht und Nachhaltigkeit wird gelebt. Simon, ein Hochschulprofessor, der unter anderem ein innovatives Vehikel zu nachhaltiger Mobilität mitentwickelt hat, reist nach China, wo sich in einem Rennen die neusten Fahrzeugtypen um den minimalsten Treibstoffverbrauch messen werden. Auf dem Weg dahin, mit verschiedenen Stationen in der Schweiz und in China, reflektiert Simon den Weg, den er selbst und die Welt in den Jahren seit dem Ölschock zurückgelegt hat. Dabei lässt er Revue passieren, wie es möglich war, dass die Menschheit gelernt hat, ihren Energie und Rohstoffverbrauch massiv zu reduzieren und neue Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln. Besonders beleuchtet werden dabei die Verhältnisse in der Schweiz und in China. Dabei kann der Autor auf profundes Wissen aus seinen eigenen Aufenthalten im Land der Mitte bauen. Das Buch ist gut recherchiert und die geschilderte Zukunft auf solidem Fundament aufgebaut: Genauso könnte es sein, wenn die nachhaltige Technik von heute entschlossen weiterentwickelt würde.

Das Buch zeigt daneben auch biografische Aspekte, in denen der nicht einfachen Lebensweg von Simon exemplarisch für die geforderten Qualitäten steht, die eine solche positive Zukunft benötigen würde: Mut haben eigenständig zu sein, auszusteigen aus bequemen Geleisen, einen Beitrag zum allgemeinen Wohl leisten zu wollen und konsequent den Weg der Nachhaltigkeit zu verfolgen. Der Kontrast einer solchen Persönlichkeit mit echtem Verantwortungsbewusstsein zu vielen heutigen profitmaximierenden Professoren und Konzernchefs wird dabei sichtbar.

Inzwischen sind einige der im Buch verzeichneten Jahre schon vergangen. Die Welt scheint noch weiter ausser Rand und Band geraten zu sein. Kein Ölschock hat uns bisher zur Vernunft gebracht. Der Schock des Finanzcrashs und des Super-GAU’s in Fukushima haben noch nicht ausgereicht, wirklich etwas zu verändern am rasenden Verbrauch von Energie und Natur. Wieviel Schock braucht es also noch dazu?

Vielleicht ist es besser, sich nicht um den Schock zu sorgen, sondern, wie im Buch, mutig das Neue anzupacken. Es gilt sich bereits heute darum zu kümmern, dass neue Ideen und Technologien gefördert werden, die unsere echten Probleme reduzieren: Weniger, kleiner, schlanker, energieeffizienter, intelligenter, geruhsamer, eleganter, im Einklang mit natürlichen Abläufen. Machen wir uns jetzt auf, 2026 ist nicht mehr fern – Martin Klöti’s Buch liefert dazu einen motivierenden Anstoss.

Das Buch ist erhältlich beim Verlag:

www.verlag-textwerkstatt.ch/

Direkter Link zum Shop

2026 kaufen

Weiterführende Links:

www.2026.ch

Was mehr wird, wenn wir teilen – Vom gesellschaftlichen Wert der Gemeingüter

Buchrezension: Neues Buch von Elinor Ostrom

oekom verlag München, 2011

Herausgegeben, überarbeitet und übersetzt von Silke Helfrich

 

Eine Kürzestfassung von Elinor Ostroms Werk

Die amerikanische Professorin Elinor Ostrom, hat den Wirtschaftsnobelpreis 2009 aufgrund ihrer bahnbrechenden Arbeiten über Gemeingüter erhalten. Seither ist es leider wieder etwas still geworden, um die wichtigen Erkenntnisse der Forscherin. Auch Ihr Hauptwerk „Die Verfassung der Allmende – Jenseits von Staat und Markt“, ist in Deutsch nicht wieder aufgelegt worden. In die Lücke springt nun ein neues Büchlein aus dem oekom-verlag, worin das Werk von Ostrom auf den kürzesten Nenner gefasst präsentiert wird. Die Gemeingüter-Forscherin und –Aktivistin Silke Helfrich hat die Texte von Ostrom ausgewählt und übersetzt.

Von den 126 Seiten des kleinformatigen Werkes sind jedoch 20 Seiten Vorwort und über 30 Seiten Glossar abzuzählen. Es bleiben 65 Seiten für die Inhalte von Ostrom, die dazu noch in sehr stark bearbeiteter Form aufgeführt werden. Die drei Kapitel mit den Titeln:
Gemeingüter fordern uns heraus
Gemeingüter pflegen – lokal und global, sowie
Wenn’s funktionieren soll: Gestaltungsprinzipien für Gemeingüter

zeigen an, dass die Materie in kleinen, leicht verdaulichen Häppchen angeboten wird.

Anhand der Gemeingüter Fische (Fangquoten, Überfischung, etc.) und Wälder (Nutzung, Abholzung, etc.) werden die bestehenden Probleme und die Lösungsansätze durch gemeinschaftliche Nutzung skizziert.

Die Sprache zeichnet sich aus durch kurze Sätze und ein Bemühen, auch für Laien verständlich zu sein. Die auftauchenden Fachausdrücke werden im Glossar sehr ausführlich erklärt. Der bestehende komplexe wissenschaftliche Hintergrund wird dadurch abgemildert, scheint jedoch nach wie vor durch. Da auch keine Bilder oder Grafiken verwendet werden, ist das Büchlein trotzdem nicht ohne Vorwissen oder Hintergrund wirklich gut zu verstehen. Etwas verwirrend bleibt auch der Aufbau und das überproportionale Glossar. Schade ebenfalls, dass nicht klar getrennt wurde zwischen Übersetzung, Adaption und Interpretation von Silke Helfrich. Dies erschwert es, die effektive Arbeit von Ostrom zu beurteilen und die an und für sich sehr lesenswerte Zusammenstellung bleibt so teilweise wolkig und verliert die Konturen.

Fazit: Das Büchlein eignet sich in jedem Fall als Einführung in die Materie der Gemeingüter und macht einem den Mund wässrig, auch die Originaltexte von Ostrom anzugehen. Das Thema an sich ist heute brandaktuell durch die laufende Privatisierung weiterer Ressourcen, wie Wasser und es wird noch an Relevanz gewinnen durch neue Thematiken wie „Land-Grabbing“ durch Staaten wie China.

Wenn wir verstehen, dass es auch anders geht als privatisiert, gibt es aber auch Hoffnung und Energie für Menschen, die gemeinsam anpacken wollen, wenn es um ihre eigene Zukunft geht. Sozusagen als Quintessenz: „Wir können lernen zu teilen – und es wird damit besser funktionieren für alle!“

Das Buch ist erhältlich direkt beim Verlag:

www.oekom.de

oder bei

http://www.amazon.de/mehr-wird-wenn-teilen-gesellschaftlichen/dp/3865812511

Weiterführende Links:

www.gemeingüter.de