Category Archives: Zeitgeschehen / actualities

Kooperation als Thema am 1.Schweizer Wirtschaftsgipfel

Am Samstag 17. September 2016 findet in Aarau der 1. öffentliche Schweizer Wirtschaftsgipfel statt. Unter diesem grossen Titel werden Lösungsvorschläge von kreativen Organisationen präsentiert und diskutiert, die in den Medien leider nur selten aufgenommen werden:

  • Demokratie im Geldwesen
  • Kooperation und Sinn
  • Faire Preise und Löhne
  • Regionale Kreativität und Produktion
  • Aufhebung der Arbeitslosigkeit

Der Tagungspreis ist mit nur Fr. 20.- äusserst besucherfreundlich. Eine Anmeldung ist erforderlich. Weitere Informationen unter w1.lovb.ch

Flyer Wirtschaftsgipfel

Tsüri verändern: Ein Buch zum gesellschaftlichen Wandel

Kulturbande ist ein Netzwerk, mit dem Ziel den gesellschaftlichen Wandel zu verstehen, zu fördern und zu dokumentieren. Mit einem gelungenen Crowd-Funding-Projekt konnte ein erstes Buch realisiert werden, das den gesellschaftlichen Wandel in Zürich dokumentiert und Menschen und Initiativen portraitiert, die dabei mittun. Über 30 Autorinnen und Autoren aus verschiedensten Organisationen stellen sich dabei selber vor. Unter anderem haben darin auch FleXibles und die Fachstelle für Konfliktlösung einen Auftritt. Ein guter Grund, das Erscheinen zu feiern:

Buchvernissage, Mittwoch 25. Mai 2016
in der Photobastei, Sihlquai 125, 8005 Zürich

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Weitere Informationen und Buchbestellungen: www.kulturbande.info

Vom Grossen Krieg zur permanenten Krise

Buchrezension

Marc Chesney: Vom Grossen Krieg zur permanenten Krise – Der Aufstieg der Finanzaristokratie und das Versagen der Demokratie
Versus Verlag, Zürich, 2014

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Es gibt sie noch, Wissenschaftler welche ihr Fachgebiet ernst nehmen und das sagen, was gesagt werden muss, statt sich duckmäuserisch im Mainstream zu verstecken. Marc Chesney ist einer davon und er spricht wirklich aus der “Höhle des Löwen”, nämlich aus dem Bereich  Banking und Finance, wo heute die grössten Raubtiere der Geschichte hausen. Seine brillante Analyse der Situation auf den sogenannten Finanzmärkten zeigt uns die fachmännischen Details der katastrophalen Lage, die uns schon lange bekannt sein müsste. Seine scharfe Kritik mündet in einer ganzen Reihe handfester Massnahmen, wie sich die Finanzsphäre wieder in den Dienst der Wirtschaft und Gesellschaft stellen könnte. Eigentlich schon das perfekte Programm für jeden Politiker, der wirklich etwas gegen die Krise tun will. Wer hat den Mut, wer tritt als erster vor? Prof. Chesney hat es im Bereich der Wirtschaftswissenschaftler vorgemacht, unterstützen Sie ihn dabei!

Link zum Verlag

Unbegrenzter Freihandel: Quelle massiver Wirtschaftsprobleme?

Die Initiativgruppe Eine Wirtschaft zum Nutzen aller, deren Volksinitiative leider nicht zustandekam, ist weiterhin aktiv und nennt sich nun Komitee selbstbewusste freie Schweiz. In verschiedenen Veranstaltungen werden z.B. die Fragen rund um die ungerechten und strukturzerstörenden Freihandelsabkommen diskutiert. Eine nächste Veranstaltung findet in Zürich statt. Professor Mathias Binswanger wird dabei zum Thema „Freihandel und die Souveränität der Nationalstaaten“ sprechen.  Professor Binswanger gehört zu den wenigen Wirtschaftswissenschaftern, die es wagen, die Freihandelstheorie einer kritischen Würdigung zu unterziehen. Weitere Programmpunkte sind auch Werte und Leitplanken bei der  politischen Arbeit der Gruppe:

Samstag, 10. Mai 2014, von 14:15 bis 17:45 Uhr: Glockenhof, Sihlstrasse 33, Zürich 1. Stock, Saal London (Eingang:  neben Hoteleingang „Glockenhof“)

Das Thema gewinnt weiter an Bedeutung mit dem in aller Stille vorbereiteten TTIP-Freihandels-Abkommen: Derzeit verhandeln EU-Vertreter mit der US-Regierung über dieses Abkommen (TTIP=Transatlantic Trade and Investment Partnership). Durchgesickerte Papiere zeigen, dass die Unterhändler die grössten Wünsche der Konzerne erfüllen wollen: Hormonfleisch, Fracking, Gen-Essen, laxer Datenschutz und eine privatisierte Wasserversorgung sollen in Europa einziehen. Also sehr wichtig, dass auch in der Schweiz dazu Aufklärung und Widerstand organisiert wird. Die CAMPACT-Kampagnenorganisation in Deutschland hat dazu eine Protestaktion organisiert: Link

Zum Gedenken an Margrit Kennedy, 21.11.1939 – 28.12.2013

Margrit Kennedy (Bild www.margritkennedy.de)Am 28. Dezember 2013 ist die grosse Geldreform-Pionierin und Grande-Dame der Bewegung, Margrit Kennedy in Steyerberg nach kurzer Krankheit verstorben.
Margrit war seit langem weltweit engagierte Aktivistin und anerkannte Expertin in Sachen Geld und Währung und seit einigen Jahren auch Mitglied unseres Beirates. Sie hatte die grosse Fähigkeit sowohl Fachleuten, als auch Laien das Geldsystem und seine Fehler anschaulich und in der richtigen Sprache erklären zu können. Sie war überall wo sie hinkam ein Funke, der das Feuer zu einer Veränderung zum Besseren entzündete. Dabei hatte sie viel Verständnis und Geduld und war getragen von einer grossen Menschlichkeit und dem Glauben an eine gerechtere Welt. 

” …es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Lösungsansätze. Es geht um neue Geldentwürfe, die einen Nutzen optimieren und helfen, Geld zu schaffen, das weder einem krankhaften Wachstumszwang unterliegt noch eine ständige Umverteilung von der großen Mehrheit der Menschen zu einer kleinen Minderheit verursacht – wie unser heutiges Geld das tut.”
(Aus dem Vorwort ihres Buches Occupy Money)

Mit Margrit Kennedy verliert die vielfältige aber verstreute Bewegung zur Reform von Geld und Währungen einen Mittelpunkt und eine treibende Kraft. Es gilt nun, auf dem grossen Fundament, an dem sie mit grossem Engagement gearbeitet hat, weiterzubauen.  Aufklärung, Bildung, Tauschringe, Energiewährungen, neue Geld- und Besitzsysteme, Komplementärwährungen, Vollgeld etc. bis hin zur Schenkwirtschaft müssen weitergetragen und weiterentwickelt werden, um dereinst das bestehende marode Regime ablösen zu können.

Margrits wertvolle und ermutigende Mitsprache als Beirätin unseres Vereins werden wir sehr vermissen. Ihr Lachen und ihre Art, die Dinge direkt auf den Punkt zu bringen hat uns immer wieder inspiriert.

Wir verabschieden uns in Dankbarkeit

Jens Martignoni, Geschäftsführer

Weitere Informationen über Margrit Kennedys Arbeit: www.monneta.org  www.margritkennedy.de

Was ist aus “Treu und Glaube” geworden

Handeln nach “Treu und Glaube” hört sich in unserer Turbowirtschaft schon sehr altmodisch an. Modern ist doch, wenn man sich über solche überflüssigen Hindernisse hinwegsetzt und einfach stärker aufs Gaspedal drückt….?

Doch die Sache hat einen Haken: Wirtschaft geht nicht ohne Vertrauen, es ist sogar das eigentliche Kapital jeder Unternehmung. Unser Beirat, Ethiker Thomas Gröbly redet in einem Interview für den Generalanzeigerder Region Brugg Klartext zur momentanen Entwicklung.

Link zum Generalanzeiger-Beitrag

Oder PDF General_Anzeiger_Wirtschaftsseite_6_21_Maerz

Zum Gedenken an Pierre Fornallaz 6.7.1924 – 4.9.2011

Nach kurzer schwerer Krankheit ist Pierre Fornallaz, Pionier für Ökologie, Solarenergie und nachhaltige Wirtschaft am 4. September in Münchenstein verstorben.

Pierre war langjähriges Mitglied von FleXibles und bis zuletzt aktives Mitglied unseres Unterstützungskomitees. Sein bemerkenswerter Lebensweg führte ihn vom Industrieingenieur, der sich bereits mitten in der Hochkonjunktur der 60er Jahre über den Sinn der Industrialisierung Gedanken machte, zum ETH-Professor der begann über die Folgen der Technik insgesamt nachzudenken und das Thema Ökologie an die ETH holte. Dann zur Gründung des Ökozentrums Langenbruck und danach auch darüber hinaus zu den Kernfragen unserer Wirtschaft, zu Gemeinschaft, Geld und Besitz. Er liess sich nicht blenden von Status und Besitz, weder vom eigenen, noch von dem von anderen, sondern blieb beharrlich auf dem Weg zu dem, was er als vernünftige, respektvolle und nachhaltige Lebensweise erkannt hatte. Er sah, dass es notwendig war durch praktische Beispiele Korrekturen anzubringen an der falschen Auffassung von Technik- und Wirtschaft der heutigen Zeit. Nicht immer stiess er dabei auf Verständnis: Z.B. wies er als Ethischer Rat die Alternative Bank Schweiz darauf hin, dass sie nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, sondern die gewonnenen Ressourcen dazu einsetzen sollte, noch nachhaltiger zu werden, worauf stattdessen der ethische Rat abgeschafft wurde. Oder er setzte sich beim ETH-Präsidenten mehrfach dafür ein, dass die ETH das Konzept der 2000-Watt-Gesellschaft nicht nur als gutes Konzept vermarkten, sondern dieses auch selbst ernsthaft umsetzen sollte und wurde mit einigen netten Briefen abgespeist.

Pierre Fornallaz liess sich durch solches Unverständnis nicht beeindrucken und setzte seine Kraft und seine Ideen unermüdlich für eine umfassende Vision der Nachhaltigkeit ein. Besonders am Herz lag ihm auch ein transformiertes Wirtschaftsverständnis:

” Das transformierte Wirtschaftsverständnis führt zu einer mitwelt – und sozialverträglichen ökologischen Marktwirtschaft. Das ist eine Wirtschaftsweise, welche Folgeprobleme zu vermeiden trachtet, statt durch lineares, kausales Denken neue Probleme heraufzubeschwören. Es ist eine Wirtschaftsweise, welche volkswirtschaftlich richtig rechnet, statt sich mit nur betriebswirtschaftlichen Erfolgen selbst zu betrügen. Es ist eine Wirtschaftsweise, die dem Menschen schöpferische Musse schenkt und ihn damit in die Lage versetzt, den Weg in die Transzendenz des “wahren Lebens” (Mumford) zu schreiten.”

(Aus einem Artikel in der Zeitschrift GAIA 1995)

Mit Pierre Fornallaz verlieren wir einen grossen Vordenker, Pionier und Mitstreiter, einen offenen, herzlichen und väterlichen Freund. – Seine vorausschauenden Ideen und lebensbejahenden Visionen bleiben nach wie vor aktuell und können uns weiterhin den Weg weisen.

Jens Martignoni, Geschäftsführer

 

Texte von Pierre Fornallaz finden Sie auf unserer Seite „Pioniere von Frieden und Nachhaltigkeit

Ist Nachdenken erst hinterher möglich?

Kommentar zur laufenden Zeitgeschichte

In den letzten Jahre wurden uns immer wieder sehr eigentümlich anmutende Bilder eines, wie es scheint kostümierten Gaddafis präsentiert, der sonderbare politische Possen trieb und RepräsentantInnen der Schweiz demütigte und betrog. Wir wunderten uns sehr, wie wenig sein Verhalten öffentlich kritisiert wurde. Dann fand ein Aufstand statt in seinem Land und umgehend darf man ihn öffentlich als Irren bezeichnen und über sein psychopathologischen Diagnosen spekulieren. Das geht also erst, wenn der Machthaber geschwächt ist?

Eine Woche nach den Katastrophen in Japan, wird die Atomlobby in Japan angeprangert. Aber warum eigentlich nicht vorher?

Müssen, tatsächlich erst Revolutionen nach 40 Jahren Diktatur ausbrechen, damit man sich öffentlich Gedanken zu Gaddafis Auftritten und seiner Politik machen darf?

Müssen wirklich erst  Riesen-Katastrophen in Japan geschehen, dass man sich hier noch einmal grundsätzliche Gedanken zur Atom-Energie macht und die unheilvolle Verflechtung von Kapital und Politik in Japan offengelegt wird.

Darf man denn jetzt schon Fragen stellen, z.B. wie genau das hierzulande anders sei, oder warten wir bis zu den nächsten Katastrophen?

Ein entsprechendes Zitat aus einem Bericht der NZZ spricht für sich selbst.

NZZ vom 18. März 2011: Die Macht der Atomindustrie, Petra Kolonko, Seoul

“Seit Tagen hängt das Schicksal der Umgebung von Fukushima, möglicherweise auch von ganz Japan, von der Fähigkeit oder Unfähigkeit eines Unternehmens ab. Tokyo Electric Power (Tepco), eine Firma, die wiederholt der Vertuschung von Zwischenfällen in Atomkraftwerken und der Desinformation überführt worden ist.

Japan Inc, das Unternehmen Japan, nannte man in den Boomzeiten der achtziger Jahre das System, das Japan erfolgreich machte. Die grossen Unternehmen und Politik arbeiteten Hand in Hand. Der Präsident des Industrieverbandes Keidanren wurde damals öfters als heimlicher Ministerpräsident Japans bezeichnet.

Wenn Ministerialbeamte ins Pensionsalter kommen und aus dem Staatsdienst ausscheiden haben sie unerklärten Anspruch auf einen lukrativen Posten in der Industrie. Ein Beamter etwa des Wirtschaftsministeriums, der für Energiefragen zuständig ist, wird versuchen in einem Energieunternehmen oder in einem Verband unterzukommen. Dazu muss dieser Beamte natürlich schon während seiner Zeit im Ministerium gute Beziehungen zu seinen potenziellen künftigen Arbeitgebern pflegen und er wird sich hüten, diese zu vergrätzen, indem er unangenehme Fragen stellt, Genehmigungen nicht erteilt oder andere Schwierigkeiten bereitet. Ist der ehemalige Beamte dann im Unternehmen, kann er seine alten Kontakte im Ministerium zugunsten des neuen Arbeitgebers verwenden.

Eine Unabhängigkeit der Verwaltung ist damit nicht mehr gewährleistet und eine Korruption im System verankert. Japan ist nicht schlecht gefahren mit diesem System, denn dieses hat das Land an die Spitze der Weltwirtschaft gebracht. Aber für neue Anforderungen in neuen Zeiten ist es nicht geeignet.

Tepco, der viertgrösste Energiekonzern der Welt, konnte über Jahrzehnte Sicherheitsberichte fälschen und Unfälle herunterspielen, ohne dass sich dies in der Veränderung der Unternehmenspolitik nieder geschlagen hätte … Skandale führten allenfalls zu Entlassung einzelner Manager.”

(Kürzung und Hervorhebung durch News-Autoren)

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