Category Archives: Einkommen/Grundeinkommen -income/basic income

Wie entstehen gerechte Preise?

Ein neues Lernheft des Konsumentenverbandes zeigt auf, wie Preisbildung funktioniert und wie gerechte Preise entstehen (könnten). Das Thema wird ausserdem an einem Seminar zusammen mit BioPartner Schweiz AG vorgestellt.

Seminar

Samstag 7. November 2015, 14-17 Uhr in Seon AG im Verteilzentrum der Bio Partner Schweiz AG

mit Referaten von Andreas Jiménez, Geschäftsführer Bio Parter und Jens Martignoni, Autor des Bildungsheftes, mit einer Führung durch den Bio-Grosshandelsbetrieb und mit Kaffee und Gebäck.

Der Anlass ist kostenlos, bedarf aber der verbindlichen Anmeldung (hier).

Bildungsheft

kb04_cover_220x312Das Heft will auf einfach verständliche Art zu einem praktisches Verständnis der Preisbildung verhelfen und ist als kompaktes Lernmaterial auch für Schulen gut geeignet. Der gerechte Preis ist dabei eine Richtschnur, die durch eine Vielfalt der volkswirtschaftlichen Themen und Fragestellungen hindurchführt.

Das Heft kann direkt beim Konsumentenverband bestellt werden (hier) und kostet als Einzelexemplar Fr. 8.- zzgl. Versandkosten.

Das Heft ist sehr empfehlenswert und hilft mit, um beim Thema Wirtschaft ebenfalls mitreden zu können.

Kommentar zum Bedingungslosen Grundeinkommen

Meine Schwägerin blickt durch

von Oswald Sigg

Am letzten 24. Dezember abends. Beim Weihnachtsessen – die Kerzli brennen am Tannenbaum, die Kinder plangen nach den Gschänkli – plätschert das Ge­spräch mit hoher Spannungslosigkeit dahin. Weil wir schon das leidige Wetter behandelt haben, berichte ich arglos von der bald zu lancierenden Eidgenössi­sche Volksinitiative für ein Bedingungsloses Grundeinkommen.

Der Onkel meiner Frau rollt mit den Augen und legt Messer und Gabel beiseite. Eine ältere Cousine leidet plötzlich unter Mig­räne und nimmt rasch eine Pille. Der Schwa­ger Ruedi, ein erfolgreicher KMUnter­nehmer, nimmt einen Schluck Roten, stellt sein Glas mit bedeutungsvoller Miene ne­ben den Teller und stellt laut und deutlich die grundlegend offene Frage: „Und wär geit de na ga schaffe?“ Er schaut ernsthaft in die Runde und präzisiert seine Frage: „Wär ächt wär?“ Nach knapp einer Stunde, die Kerzli sind längst abgebrannt und die Gschänkli ausgepackt, wird noch immer weder über die Ausländer, Blocher, YB oder sonst so etwas diskutiert, sondern es argu­mentieren nur noch alle grossmehrheitlich gegen die Spinnerei des Grundeinkom­mens. Da kommt es beim Kaffee unverhofft zu einer kleinen Gesprächpause. Meine Schwägerin steht vom Tisch auf, wie um noch­mals einen Kaffee zu holen und richtet ihre wenigen Worte an die ganze Gesell­schaft: „Mit emene Grundiikomme, Ruedi, müesstisch Du mir ke Hushaaltsgält meh gää!“ Die Schwägerin, schon immer etwas gefitzter als die andern, hatte es also schon letzte Weihnachten begriffen.

Menschliche Arbeit neu betrachten

Es geht darum, dass wir die Arbeit und ihre Bezahlung neu betrachten. Nicht nur Er­werbsarbeit ist richtige Arbeit. Heute unterscheiden wir drei Arten: bezahlte, freiwillige und unbezahlte Arbeit. Alle Arbeiten sind gesellschaftlich mehr oder weniger not­wendig. Eines steht aber fest: die Hälfte aller heute geleisteten Arbeitsstunden sind sowohl notwendig als auch unbezahlt. Im Vordergrund steht hier die Hausarbeit, die Betreuung von Kindern, die Pflege von kranken Familienangehörigen, die Begleitung von älteren Menschen. Es geht aber auch und gerade um spontane soziale und kul­turelle und sportliche Engagements. Dann gibt es viele notwendige Tätigkeiten – gemeinhin als Drecksarbeit bezeichnet – die der sogenannte Arbeitsmarkt unterbe­zahlten Migrantinnen und Migranten überlässt.

Viele Menschen stehen an ihrem Arbeitsplatz täglich unter Druck und Stress. Vielen droht der Verlust ihrer Arbeit. Auch drohende Entlassungen sind existenzbedrohend. Krankheitsbedingte Arbeitsausfälle – Depressionen, burn outs – nehmen zu. Ar­beitslose werden schikaniert, ausgegrenzt, ausgesteuert.  Sozialhilfeempfängern wird mit Misstrauen, oft auch mit Verachtung begegnet. SozialarbeiterInnen werden als Gutmenschen verhöhnt. Eine Dunkelziffer besagt: nur die Hälfte aller Personen, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen oder gesundheitlichen Notlage Anspruch auf öffentli­che Unterstützung hätten, meldet sich an den Schaltern der Sozialdienste. Die an­dern schämen sich vermutlich davor, ihren Rechtsanspruch geltend zu machen. Alle diese „Sozialfälle“ haben eine gemeinsame Ursache: es ist die grobe Verletzung der Würde der unter solchen Umständen leidenden Menschen.

Grundeinkommen solidarisch finanzieren

Das Grundeinkommen für alle wird zum grössten Teil die heutigen Sozialversiche­rungsrenten ersetzen. Die Differenz zu den Ergänzungsleistungen der AHV und Voll­renten der IV würden weiterhin ausbezahlt.  Es braucht darüber hinaus noch einen erheblichen Betrag zur Finanzierung des Grundeinkommens, der aber meiner Mei­nung nach nicht über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, sondern über eine Vermö­gens- und Kapitaltransaktionsbesteuerung finanziert werden müsste. Die Reichen werden das Grundeinkommen nicht nötig haben, aber das Grundeinkommen wird die Reichen brauchen. In unserem Land besitzt 1% der privaten Steuerpflichtigen (=Steuerflüchtigen aus aller Welt *) gleich­viel Vermögen wie die restlichen 99%. Die Schweiz ist prädestiniert für ein solidarisch finanziertes Grundeinkommen für alle.

Quelle: Mediendienst Hälfte www.haelfte.ch

*) Ergänzung durch die Redaktion

Einkommen und Leistung endlich getrennt?

“Wer mehr leistet, verdient mehr!” oder gar, “nur wer leistet, verdient etwas!”, sind Sprüche, die bis heute als Wahrheiten herumgereicht werden. Sie dienen häufig auch zur Rechtfertigung von Kürzungen der Sozialleistungen oder anderer Beiträge für solche, die eben “nicht leisten”. Anhand der Diskussionen um Managerlöhne und Boni wird aber immer klarer: Leistung und Einkommen haben sehr wenig miteinander zu tun oder sogar im Gegenteil, Leistung die der Gemeinschaft schadet, also Aufwand erzeugt, wird häufig sogar besonders hoch entlohnt. Was stimmt da nicht? Ein sehr schöner Artikel von Michael Dauderstädt, Leiter der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung gibt darauf einige Antworten.

Einkommen und Leistung: Es wächst auseinander, was nie zusammengehörte  (Als PDF ansehen)

Damit erhält auch die Diskussion um die Trennung von Arbeit und Einkommen, als gesunder Schritt für eine zukünftige Wirtschaftsordnung, neue Nahrung. Dabei würde die Leistung nur im kollektiven Sinne gemessen (wieviel produzieren wir) und das Einkommen primär nach den Grundbedürfnissen aller Menschen ausgerichtet (Grundeinkommen). Vielleicht im Moment immer noch eine Vorstellung, die Angst vor dem Unbekannten macht, aber langsam kann nun doch darüber diskutiert werden.