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Zum Gedenken an Pierre Fornallaz 6.7.1924 – 4.9.2011

Nach kurzer schwerer Krankheit ist Pierre Fornallaz, Pionier für Ökologie, Solarenergie und nachhaltige Wirtschaft am 4. September in Münchenstein verstorben.

Pierre war langjähriges Mitglied von FleXibles und bis zuletzt aktives Mitglied unseres Unterstützungskomitees. Sein bemerkenswerter Lebensweg führte ihn vom Industrieingenieur, der sich bereits mitten in der Hochkonjunktur der 60er Jahre über den Sinn der Industrialisierung Gedanken machte, zum ETH-Professor der begann über die Folgen der Technik insgesamt nachzudenken und das Thema Ökologie an die ETH holte. Dann zur Gründung des Ökozentrums Langenbruck und danach auch darüber hinaus zu den Kernfragen unserer Wirtschaft, zu Gemeinschaft, Geld und Besitz. Er liess sich nicht blenden von Status und Besitz, weder vom eigenen, noch von dem von anderen, sondern blieb beharrlich auf dem Weg zu dem, was er als vernünftige, respektvolle und nachhaltige Lebensweise erkannt hatte. Er sah, dass es notwendig war durch praktische Beispiele Korrekturen anzubringen an der falschen Auffassung von Technik- und Wirtschaft der heutigen Zeit. Nicht immer stiess er dabei auf Verständnis: Z.B. wies er als Ethischer Rat die Alternative Bank Schweiz darauf hin, dass sie nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, sondern die gewonnenen Ressourcen dazu einsetzen sollte, noch nachhaltiger zu werden, worauf stattdessen der ethische Rat abgeschafft wurde. Oder er setzte sich beim ETH-Präsidenten mehrfach dafür ein, dass die ETH das Konzept der 2000-Watt-Gesellschaft nicht nur als gutes Konzept vermarkten, sondern dieses auch selbst ernsthaft umsetzen sollte und wurde mit einigen netten Briefen abgespeist.

Pierre Fornallaz liess sich durch solches Unverständnis nicht beeindrucken und setzte seine Kraft und seine Ideen unermüdlich für eine umfassende Vision der Nachhaltigkeit ein. Besonders am Herz lag ihm auch ein transformiertes Wirtschaftsverständnis:

” Das transformierte Wirtschaftsverständnis führt zu einer mitwelt – und sozialverträglichen ökologischen Marktwirtschaft. Das ist eine Wirtschaftsweise, welche Folgeprobleme zu vermeiden trachtet, statt durch lineares, kausales Denken neue Probleme heraufzubeschwören. Es ist eine Wirtschaftsweise, welche volkswirtschaftlich richtig rechnet, statt sich mit nur betriebswirtschaftlichen Erfolgen selbst zu betrügen. Es ist eine Wirtschaftsweise, die dem Menschen schöpferische Musse schenkt und ihn damit in die Lage versetzt, den Weg in die Transzendenz des “wahren Lebens” (Mumford) zu schreiten.”

(Aus einem Artikel in der Zeitschrift GAIA 1995)

Mit Pierre Fornallaz verlieren wir einen grossen Vordenker, Pionier und Mitstreiter, einen offenen, herzlichen und väterlichen Freund. – Seine vorausschauenden Ideen und lebensbejahenden Visionen bleiben nach wie vor aktuell und können uns weiterhin den Weg weisen.

Jens Martignoni, Geschäftsführer

 

Texte von Pierre Fornallaz finden Sie auf unserer Seite „Pioniere von Frieden und Nachhaltigkeit